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80 Jahre nach Pogromnacht: Mahnmal steht endlich

Mahnmal für die verfolgten und vernichteten jüdischen Neustädter am 4.11.2018 „Zwischen den Brücken“ eingeweiht.


Der Standort des Mahnmals ist mit der Vertreibungs- und Vernichtungsgeschichte der jüdischen Neustädterinnen und Neustädter mehrfach verbunden.

Während der Pogromnacht am 9.11.1938 plünderten Angehörige Neustädter NS-Organisationen die Privatwohnungen mehrerer jüdischer Familien, verwüsteten das jüdische Gemeindehaus und die Synagoge in der Mittelstraße. Das Fachwerkgebäude wurde nicht angezündet, weil die Nachbarhäuser ebenfalls hätten Feuer fangen können. Stattdessen deckten die Täter das Dach ab, luden Kultgegenstände und Inventar auf den Leichenwagen der Synagogengemeinde, rollten ihn zu den Leinewiesen zwischen den Brücken und verbrannten ihn dort in der Nacht vom 10. zum 11. November 1938.

Zwischen den Brücken wohnten Jenny, Otto und Walter Meinrath. Das Haus stand gegenüber dem heutigen Standort des Bronzelöwen. Hier betrieb Otto Meinrath eine kleine Bank, die nach der Pogromnacht durch das Bankhaus Baebenroth an der Westseite der Marktstraße „arisiert“ wurde. Otto Meinrath, Hermann Birkenruth (Wallstraße) und Erich Meinrath (Leinstraße) – aktive Mitglieder der Neustädter Synagogengemeinde – wurden während der Pogromnacht verhaftet, zunächst ins Polizeigefängnis nach Hannover und von dort ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Das gleiche Schicksal erlitt Magnus Lehmann, der bei Otto Meinrath zu Besuch war. Nach der Freilassung der Gefangenen gelang es den Familien Birkenruth und Meinrath (Zwischen den Brücken) 1939 zu emigrieren. Erich Meinrath und seine Frau Gertrud wurden am 15. Dezember 1941 aus Hannover, Magnus Lehmann am 6. Dezember 1941 aus Hamburg nach Riga deportiert und ermordet. An den früheren Standorten der Häuser der Familien in der Wallstraße, der Leinstraße und Zwischen den Brücken liegen Stolpersteine.

In Sichtweite des Mahnmals liegt Schloss Landestrost. Hier war das Landratsamt des Altkreises Neustadt am Rübenberge untergebracht, wo – basierend auf Meldungen aus Neustadt, Wunstorf und den Dörfern – die Daten der jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner zusammengeführt und auf gesondert gekennzeichneten Karteikarten erfasst wurden. Alle Daten gingen schließlich an den Sicherheitsdienst (SD) der SS im Reichssicherheitshauptamt in Berlin. Die hier geführte zentrale „Juden- und Freimaurerkartei“ für das Deutsche Reich und die von der Wehrmacht besetzten Gebiete Europas gewährleistete die lückenlose Erfassung der jüdischen Bevölkerung, den jederzeitigen Zugriff und die Effektivität der Vernichtung.

Bei der Befreiung Neustadts am 7.4.1945 starben 28 britische Soldaten, als ein Wehrmachtskommando den westlichen Bogen der großen Leinebrücke sprengte. Unter den Opfern war auch der 19jährige jüdische Rekrut H. Smollan.

 

 

Bisher erinnern Stolpersteine an die früheren jüdischen Mitbürger:

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