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Neue Stolpersteine erinnern an Judenverfolgung in Neustadt

„Hier wohnte Leopold Rosenbaum, geboren am 12. November 1878 in Hannover. Seine letzte Neustädter Adresse war Marktstraße 14, der Posthof. Am 13. November 1935 ist er nach Bremen geflohen, am 9. November 1938 wurde er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, am 18. November 1941 deportiert und am 28. Juli 1942 in Misnk ermordet.“ Schülerin las Ende November die Kurzbiografie vor, bevor dort Stolpersteine verlegt wurden. Der Kaufmann betrieb im Posthof ein Schuhgeschäft.

Marktstr 14Die Erforschung des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung in Neustadt hatte es nicht leicht. 2014 erste Stolpersteine verlegt. 1984 legte der Arbeitskreis Regionalgeschichte eine erste Dokumentation vor. Die Ausstellung des AK Regionalgeschichte über jüdisches Leben in Neustadt wurde auch im Rahmen der 800-Jahre-Feiern Neustadts gezeigt.

Marktstr 10„Der Ortsrat Neustadt a. Rbge. stellt sich uneingeschränkt der Neustädter Vergangenheit, um den Menschen zu gedenken, die in Neustadt a. Rbge. lebten und ohne Grund verfolgt und dem Rassenwahn zum Opfer gefallen sind“, wurde 2007 beschlossen. Im Herbst desselben Jahres besuchten Familienmitglieder der Familien Steinberg und Sternheim Neustadt a. Rbge., Hannover und Emden. Damals sollten die ersten Stolpersteine verlegt werden als Erinnerung an den letzten Wohnort der Opfer.

Rundeel Rundeel 2Doch erst 2014 wurden die ersten und vor kurzem weitere sieben Steine verlegt.Kurz zuvor hatte der Ortsrat begrüßt, dass der AK Regionalgeschichte die Organisation der Verlegung der Stolpersteine übernimmt. Bis jetzt sind es 16 Stolpersteine in Neustadt, es gab aber 45 jüdische Opfer der NS-Diktatur. Bürgermeister Sternbeck und der Arbeitskreis begrüßen Spenden für weitere Stolperstein, die rund 100 € pro Stück kosten. „Diese Steine sind eine auffällig-unauffällige Erinnerung daran, dass diese Menschen aus der Mitte der Neustädter Gesellschaft vertrieben und getötet wurden, nur weil sie jüdischen Glaubens waren“, sagt Uwe Sternbeck.

Die neuen Stolpersteine erinnern an:

Anneliese Steinberg, *14.1.1912 in Neustadt. Tochter von Leo und Marianne Steinberg. Letzte Neustädter Adresse: Marktsstraße 10. Die Familie zog am 4.12.1937 zunächst nach Hamburg, Woldsenweg 7 und emigrierte 1940 über China, Ägypten, Israel in die USA.
Leo Steinberg, *6.7.1872 in Neustadt, verheiratet mit Marianne Steinberg, Tochter: Anneliese. Kaufmann. Letzte Neustädter Adresse: Marktstraße 10. Kaufmann für Damen- und Herrenbekleidung. Das Geschäft wurde 1837, das Haus- und Geschäftsgrundstück 1940/41 „arisiert“. Die Familie zog am 4.12.1937 zunächst nach Hamburg, Woldsenweg 7 und emigrierte 1940 über China, Ägypten, Israel in die USA.
Marianne Steinberg (geb. Schulenklopper), *28.10.1896 in Norden, verheiratet mit Leo Steinberg, Tochter: Anneliese. Letzte Neustädter Adresse: Marktstraße 10. Die Familie zog am 4.12.1937 zunächst nach Hamburg, Woldsenweg 7 und emigrierte 1940 über China, Ägypten, Israel in die USA.
Willi Steinberg, geb. 26. Juli 1919, war ein behinderter Sohn von Marianne und Leo Steinberg, und wurde bereits am 7. August 1929 nach Hannover abgemeldet. Er war somit nicht in Neustadt a. Rbge. von Diskriminierungen betroffen. Da nach Aussage des Künstlerbüros aber in Hannover nicht an ihn erinnert wird, wurde vom Künstlerbüro der Vorschlag unterbreitet, mit seiner Familie zusammen in Neustadt an ihn zu gedenken. Er imigrierte mit seiner Familie 1940 nach Israel. Sein letzter Wohnsitz in Neustadt war die Marktstraße 10.
Die Geschwister Emmy Rosenstein, geb. 19.01.1878 in Neustadt, und Martha Rosenstein, geb. 24.05.1876, betrieben zusammen ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren, welches 1935 „arisiert“ wurde. Am 6. Dezember 1941 wurden beide nach Riga deportiert, wo sie verschollen sind. Ihr letzter Wohnsitz war die Nienburger Str. 1 –jetzt Heini-Nülle-Platz (vor dem Imbiss)/ Marktstraße 18a.
Helene Sternheim, geb. 28.06.1864 in Neustadt, war Putzmacherin und Kauffrau und wohnte in der Leinstraße 11 – jetzt Leinstraße 22. Sie wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 1. August 1943 verstarb.

Nienb Str 1Nachweis jüdischer Opfer z.B. in www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de910386

Alle Biografien www.ak-regionalgeschichte.de/html/judische_opfer.html

Rede von Ingrid Wettberg im März 2014 zum Nachlesen:

www.ak-regionalgeschichte.de/html/erste_stolpersteine_in_neustad.html

Stolpersteine sind „ein Kunstprojekt für Europa“ des Künstlers Günther Demnig. Er hat seit 1992 mehr als 53.000 Steine in mehr als 500 Orten in Deutschland und 18 Ländern Ländern Europas verlegt. Infos unter www.stolpersteine.eu/ und eine Karte bei openstreetmap www.historic.place/themes/stolpersteine/index.html

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